Einstieg in die Musikproduktion

Vor noch gar nicht allzu langer Zeit dachte man bei „Musikproduktion“ an die Schallplattenindustrie oder an Tonstudios mit meterlangen Mischpulten hinter einer schalldichten Glasscheibe. Heute kann nahezu jeder, der dazu Lust hat, Musik produzieren. Zu Hause im Keller, in der Wohnstube oder wo immer man ein paar Quadratmeter erübrigen kann. Das funktioniert je nach Ausstattung für elektronische Instrumente ohne große Probleme. Bei Gesangsaufnahmen oder akustischen Instrumenten müssen die Nebengeräusche noch eliminiert werden, wenn das Ergebnis noch halbwegs professionell klingen soll. Aber was braucht man für den Einstieg in die Musikproduktion?

Um zu Hause Musik zu produzieren, braucht man zunächst nichts weiter als einen Computer und eine Studiosoftware. Und um zu hören, was man produziert, natürlich Lautsprecher oder einen Kopfhörer. Das war es auch schon an den technischen Voraussetzungen. Aber Musik entsteht nicht einfach dadurch, in dem man mit der Maus in einer Studiosoftware herumklickt. Musik wurde und wird immer noch komponiert. Das bedeutet, ein Musikstück wird aus einzelnen Komponenten zusammengesetzt. In diesem Beitrag geht es nur um die technischen Vorbedingungen.

Einstieg in die Musikproduktion
Einstieg in die Musikproduktion

Das Herzstück – die Studiosoftware

Einen leistungsfähigen und aktuellen Computer vorausgesetzt, ist eine sogenannte Digital Audio Workstation (DAW) Dreh- und Angelpunkt eines Studios. Ob es sich dabei um einen PC oder einen Mac handelt, spielt heute keine große Rolle mehr. Einsteigen kann man mit dem, was man ohnehin schon hat und muss deswegen nicht das System wechseln. Zu beachten ist allerdings, dass es Studiosoftware gibt, die nicht universell ist und entweder nur auf PC oder Mac läuft. Von fast allen mehr oder weniger bekannten DAWs gibt es Einstiegs- oder Testversionen, die man als Neuling testen kann und sollte. Auch beim Kauf von Hardware wie z.B. ein USB Audiointerface ist oft ein Downloadlink für eine DAW beigefügt.

Wie stabil eine DAW auf einem Computer läuft, hängt von vielen Faktoren ab. In einschlägigen Foren ist immer wieder von Einfrieren oder Totalabstürzen zu lesen, wobei sich das über alle Marken sagen lässt. Die Ursachen können ebenso vielfältig sein wie die Einstellmöglichkeiten des Programms selbst. Eine Musikproduktion mit zwei Dutzend Spuren und zahllosen Effekten in Echtzeit zu rendern ist auch für moderne Prozessoren eine Herausforderung. Wenn man dann noch ungeduldig im Programm hin und her klickt und der CPU keine Zeit zum Rechnen lässt, ist der Frust vorprogrammiert. Vor allem, wenn man seine Arbeit nicht regelmäßig abgespeichert hat.

Man kann sich eine klassische DAW wie ein Mehrspurtonband vorstellen, wo die einzelnen Tonspuren nacheinander aufgezeichnet werden. Bei Verwendung eines Mischpults oder eines mehrkanaligen USB- Interfaces auch mehrere Spuren gleichzeitig. Aber anders als beim Tonband, wo die Aufnahme nicht mehr verändert werden kann, ist in einer DAW die nachträgliche Bearbeitung der eigentliche Zweck der Software. Das Abmischen erfolgt ebenfalls in der Studiosoftware und je nach Ausstattung kann man das Endprodukt auch „mastern“, das heißt, es wird ein Stereo – Summensignal für die Vervielfältigung gebildet.

Welche DAW?

Die Unterschiede der einzelnen DAWs bestehen heute weniger in der Leistungsfähigkeit als im Erscheinungsbild und im Workflow. Im Grunde kann jede handelsübliche DAW das leisten, was eine Studiosoftware heute können muss, aber einige kommen für einen bestimmten Anwendungszweck besser in Frage als andere. Für vordergründig elektronische Musik wären ableton live oder Acid Pro geeigneter, für Rock oder Pop haben sich andere etabliert, z.B. Studio One oder CuBase. Letztendlich ist wohl die persönliche Vorliebe entscheidend, obwohl es durchaus auch klangliche Unterschiede gibt. Es gibt im Internet zahlreiche Vergleiche, deren Objektivität allerdings manchmal zweifelhaft ist. So tauchen die Produkte der deutschen Softwareschmiede MAGIX eigentlich so gut wie nie in diesen Vergleichen auf, obwohl deren Flaggschiff Sequoia bei Rundfunkproduktionen eingesetzt wird und deren Ableger auch für Normalanwender erschwinglich sind. MAGIX Samplitude Music Studio oder der große Bruder Samplitude Pro sind ausgereifte Programme mit allen modernen Features für die Musikproduktion zu Hause oder im Probenraum.

Lernkurve

Beim Kauf heutiger Software wird so gut wie nie ein gedrucktes Handbuch mitgeliefert. Das ist bei Studiosoftware auch nicht anders. Stattdessen gibt es eine Onlinehilfe oder ein PDF-Handbuch. Druckt man sich ein solches Handbuch einmal aus, bekommt man oft einen dicken Wälzer mit 500 bis 1500 Seiten. Man kann sich vorstellen, das man angesichts der vielen Hundert Einstellmöglichkeiten in einer DAW als Anfänger auch mal die Übersicht verlieren kann. Dann kann es passieren, das man stundenlang vor dem Computer sitzt und aus den Lautsprechern kein Ton kommen will. Wenn man nicht nur in Sachen Musikproduktion, sondern in Musik generell seine ersten Schritte macht, wäre eine abgespeckte, intuitiv erlernbare Software hilfreich beim Einstieg in die Musikproduktion. Eine solche Software gibt es. Es ist der MAGIX Music Maker.

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Mit Loops zum ersten eigenen Song

Um mit dem MAGIX Music Maker eigene Songs zu produzieren, muss man kein Instrument beherrschen oder singen können. Das Konzept besteht darin, sich aus vorgefertigten Loops, die aus wenigen Takten einer Aufnahme (Instrument oder Gesang) bestehen, ein Musikstück zusammenzustellen. Die Loops kann man sich aus der Software heraus aussuchen und bei Gefallen bestellen. Selbstverständlich kann man auch eigene Tonaufnahmen hinzufügen, abmischen und mastern. Die Bearbeitungsmöglichkeiten sind natürlich nicht mit denen einer „richtigen“ DAW vergleichbar, aber der Lerneffekt bezüglich Harmonielehre und Songaufbau ist unschlagbar. Loops und Samples bekommt man heute in einer schier unüberschaubaren Auswahl. Oft werden Pakete mit mehreren tausend Samples angeboten, wovon etwa 95 Prozent meist nur Samples von einem Schlagzeug sind, die mit Effekten oder Filtern leicht bearbeitet „vervielfacht“ werden. Es ist nicht nur mühsam, sich durch die ganzen Samples zu klicken, man verliert auch leicht den Überblick. Die Songkollektionen vom MAGIX Musik Maker enthalten Loops, die genau aufeinander abgestimmt sind. Aber selbstverständlich sind die Kollektionen auch untereinander beliebig mischbar und lassen sich auch in den anderen DAWs von MAGIX (oder jede andere) verwenden und bearbeiten. Man verliert also nichts, wenn man vom Musik Maker in höhere Kategorien aufsteigt.

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Die dazugehörige Peripherie

Grundsätzlich reicht eine Maus und eine Computertastatur aus, um mit einer rudimentären Studiosoftware wie den Magix Music Maker aus einem Soundpool einen Song zusammenzuklicken. Die neuen Editionen des MAGIX Music Maker verfügen auch über eine sogenannte Pianoroll, in die man Akkorde, Töne oder Schlagzeugmuster mit der Maus einfügen kann. Besonders komfortabel ist das natürlich nicht. Denn das wirklich bahnbrechende an den DAWs ist ihre Funktion als VST-Host für virtuelle Instrumente, mit denen man zu Hause am Computer ein ganzes Orchester in sein Arrangement einfügen kann. Hier kommen sogenannte MIDI-Controller ins Spiel, die aussehen wie ein Synthesizer, aber keine eigene Klangerzeugung haben. Es werden nur digitalisierte Signale an den Computer gesendet und je nachdem, welches virtuelle Instrument man ausgewählt hat, erklingt ein Saxofon, ein Akkordeon oder eben besagtes Orchester. Man muss es gehört haben, um es glauben zu können. Diese aufgenommenen Instrumente lassen sich dann in der Pianoroll bearbeiten, so das man bei leichten Verspielern die Aufnahme taktgenau korrigieren kann.

Die handelsüblichen PC-Lautsprecher sind qualitativ oft nicht in der Lage, um feine Klangunterschiede abzubilden. Hier ist ein Kopfhörer besser geeignet, angeschlossen an die Computer-interne Soundkarte. Doch mit diesem Setup stößt man schnell an die Grenzen, nämlich dann, wenn man ein Instrument wie eine E-Gitarre oder Gesang aufnehmen will. Dann kommt man um ein USB Audio-Interface nicht mehr herum. An ein solches schließt man auch neben Instrumenten und Mikrofonen auch Kopfhörer und Studiomonitore an. Und damit ist das Studio im Prinzip schon fertig.

USB Interface und Studiomonitore

Die USB Interfaces haben zwei oder mehr Eingänge, die man entweder als Mikrofon- oder Instrumenteneingang benutzen kann. Dazu kommen Anschlüsse für Kopfhörer, Studiomonitore und je nach Ausstattung noch weitere Anschlussmöglichkeiten. Die Empfindlichkeit des Signals lässt sich mit einem Gainregler einstellen, ebenso Lautstärke für Boxen oder Kopfhörer. Handelsübliche PC-Lautsprecher sind zum Abhören wenig geeignet, hier sollten neben Kopfhörern eigens für diesen Zweck konstruierte sogenannte Nahfeld – Monitore zum Einsatz kommen, um die Aufnahme in ihrem gesamten Klangspektrum möglichst objektiv beurteilen zu können. Billiglautsprecher, die weder Höhen noch Tiefen richtig abbilden können, sorgen für ein verfälschtes Ergebnis.

Controller Keyboard

Auch wenn die Eingabe über die Computer- oder Bildschirmtastatur grundsätzlich möglich ist, verlangsamt dies den Workflow doch ganz erheblich. Zur Steuerung der DAW und der virtuellen Instrumente (VSTi) stellt daher ein Controllerkeyboard eine erhebliche Erleichterung der Studioarbeit dar. Neben den „Klaviertasten“, mit denen Notenwerte eingegeben werden, sind je nach Ausstattung noch andere Steuerungsfunktionen vorhanden, so dass vereinzelte Parameter mit Dreh- oder Schiebereglern verändert werden können. Über festgelegte Protokolle kann das Keyboard an die DAW angelernt werden. Es gibt Controllerkeyboards mit einer Oktave bis hin zu einer kompletten Klaviertastatur mit 88 Tasten. Gebräuchlich sind Modelle mit 49 bzw. 61 Tasten und einem zusätzlichen 4×4 Touchpad für Live-Anforderungen.

Mikrofon

USB – Mikrofone sind für Tonaufnahmen ungeeignet. Ohnehin ist beim Setup eines Home Recording – Studios die Einstreuung von Nebengeräuschen so weit wie möglich auszuschließen. Minderwertige Kabel, USB – Verlängerungen und Netzteile können Ursache für Knacken, Pfeifen und Rauschen sein. Das Aufspüren und Eliminieren solcher Störenfriede ist oft nur möglich, indem man ein Teil nach dem anderen de-aktiviert bzw. ersetzt und so die Ursache eingrenzt. Für Studioaufnahmen kommen je nach Zweck nur dynamische oder Kondensatormikrofone mit Klinken- oder XLR-Anschluss in Frage. Kondensatormikrofone brauchen eine Versorgungsspannung. Sind sie nicht batteriebetrieben, ist eine -48 Volt Phantomspeisung erforderlich, die aber in jedem besseren USB Interface bereits integriert und über einen Schalter aktivierbar ist.

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Samplitude Pro X

Das Salz in der Suppe – virtuelle Instrumente

Die Verbindung von Computern und Musikinstrumenten war ein Meilenstein in der Musikgeschichte. Damit nicht jeder Instrumenten- oder Computerhersteller sein eigenes Süppchen kocht, hat man sich auf ein gemeinsames Protokoll verständigt: MIDI = Musical Instrument Digital Interface. Instrumente mit einer elektronischen Klangerzeugung nennt man Synthesizer, die ersten waren noch so groß wie ein VW – Bus. Die heutigen digitalen Bühnensynthesizer (Keyboards) sind nicht nur leicht zu transportieren, sondern auch wesentlich leistungsfähiger als die ersten Analogmonster mit ihrem modularen Aufbau. Heute ist es wegen der Leistungsfähigkeit moderner Computerprozessoren möglich, den Synthesizersound der siebziger und achtziger Jahre softwaremäßig zu emulieren und so sprichwörtlich Dutzende von legendären Instrumenten am PC zu spielen und aufzunehmen.

So eine Emulation nennt man VSTi. Virtual Studio Technology Instrument. Die meisten DAWs haben schon einige dieser virtuellen Instrumente mit im Lieferumfang. Die DAWs dienen dabei als Host (Wirt) für die VSTi. Auch hier gibt es herstellerübergreifende Übereinstimmung, so dass man auch VSTi von anderen Anbietern in die DAW seiner Wahl laden und spielen kann. Und nicht nur Instrumente, auch Effekte und Soundwerkzeuge wie Hall, Reverb und andere lassen sich problemlos integrieren. Zu beachten ist lediglich, dass es 32 Bit und 64 Bit VSTi gibt und nicht immer eine reibungslose Verwendung von 32 Bit VSTi in 64 Bit Systemen gewährleistet ist. Umgekehrt laufen 64 Bit VSTi auf 32 Bit Systemen generell nicht.

Ist Musikproduzent ein Beruf?

Die Bezeichnungen „Musikproduzent“ oder „Producer“ sind ebenso wie „Fotograf“ nicht geschützt. Das heißt, jeder darf sich so nennen. Aber, wenn man sich beim Opernhaus seiner Wahl als Musikproduzent bewirbt und vorstellt, muss man eine entsprechende Qualifikation vorweisen, sonst ist das möglicherweise eine „irreführende Werbung“. Tatsächlich gibt es einige Studiengänge an Fachhochschulen mit einem Bachelor oder Master als Abschluss, die „Musikproduktion“ oder ähnlich lautende Bezeichnungen haben. Wer also sein Ego aufbessern muss, kann sich als Producer bezeichnen, allerdings besagt das überhaupt nichts über die Fertigkeiten aus und kann auch als Prahlerei gewertet werden.

Von daher ist jeder Hobbymusiker, der seine eigenen Songs produzieren will, gut beraten, sich das entsprechende Know-how anzueignen. Nicht nur in Sachen Studiotechnik, man sollte wenigstens auch die grundlegenden Zusammenhänge der Harmonielehre verstanden haben. Dazu muss man weder eine Universität noch eine Fachhochschule besuchen, auch keine Unsummen an irgendein „Institut“ bezahlen, es geht auch autodidaktisch. Auf YouTube gibt es nützliche Tutorials, leider auch ebenso viele Anleitungen der Kategorie Zeitverschwendung. Einen nützlichen Tutor erkennt man nicht an einer verkehrt aufgesetzten Baseballmütze…

Fazit

Viele in die Jahre gekommenen Hobbymusiker schauen neidvoll auf die heutigen Möglichkeiten, die sich den Einsteigern heute bieten. War früher schon ein Vier- oder gar Achtspurtonband eine finanzielle Herausforderung, sind heute 256 Spuren Aufnahmekapazität bei DAWs schon Standard. Statt einer verrauschten Demokassette kann heute jede ambitionierte Band eine Aufnahme in Studioqualität erstellen, ohne sich dafür ein teures Tonstudio mieten zu müssen. Das war vor wenigen Jahrzehnten schon für viele eine unüberwindbare finanzielle Hürde, an der viele Träume vom Ruhm als Rockstar zerplatzten. Heute entstehen Welthits im Kinderzimmer, wenn man den Geschichten um Billie Eilish und ihren Bruder und „Producer“ Finneas Glauben schenken darf. Nimmt man noch YouTube als weltweite Bühne hinzu, kann man die schweren Zeiten erahnen, die für die dicken, Zigarren rauchenden Plattenbosse in ihren Hinterzimmern angebrochen sind 🙂 , denn jeder kann heute mit wenig Aufwand und überschaubarem finanziellen Einsatz Musik produzieren. Man muss es nur tun.

1 Kommentar zu „Einstieg in die Musikproduktion“

  1. Pingback: MAGIX Music Maker, die Einsteiger – DAW? – Kieler Jung

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