Die perfekte Fotoausrüstung

Als wenn es das gäbe: Die perfekte Fotoausrüstung. Für alle Einsatzzwecke. Gibt es aber nicht. Denn sie wäre ruckzuck überladen. So wie ich meine Fotoausrüstung einst so aufgeblasen hatte, daß ich mit einer Fototasche längst nicht mehr ausgekommen bin. Um es vorweg zu nehmen – ich bin kein professioneller Fotograf und ich verdiene meine Brötchen auf andere Weise. Was mich aber nicht gehindert hat, am Megapixelrennen teilzunehmen und immer das neueste haben zu wollen. Aber da war bei mir relativ früh Schluss. Nicht aber bei der Anzahl der Bodies und Gläser.

Die perfekte Fotoausrüstung
Auch sie musste weg…

Da musste ich erst an einen Punkt kommen, wo ich immer frustrierter wurde, wenn es darum ging, was genau ich auf die Fototour mitnehmen wollte. Denn alles ging längst nicht mehr. Die Angst, das Falsche mitzunehmen überlagerte längst die Freude auf die Fototour. Aber dann kam der Schnitt mit der USA – Reise 2018. Ich musste meine Strategie überdenken und entschloss mich, meine Fotoausrüstung einzudampfen. Zunächst einmal gestand ich mir ein, dass ich nicht in der Profiliga mitspiele und keine Ausrüstung brauche, um scharfe Bilder in Postergröße zu produzieren. Der Großteil meiner Fotos vergammelt eh auf einer Festplatte oder noch schlimmer auf Blue-Ray gebrannt. Nur ein kleiner Teil schafft es in die Öffentlichkeit in Form von Facebook-Posts oder meinen Blogs.

Ich brauche also weder Vollformat noch riesengroße Objektive zum Fotografieren. Ich habe die Digitalfotografie ohnehin mit dem Four Thirds – Standard begonnen und bin dann auf das spiegellose Micro Four Thirds umgestiegen. Da gab es weder bei Canon noch bei Nikon irgendetwas vergleichbares. Aber ich habe Gehäuse und Bodies gesammelt, von Olympus die E-500, die E-620, die E-3, die EPL-2, die EPL-5 und schließlich die EM-10. Die Objektive zähle ich erst garnicht auf. Dann kam der Bruch. Ich habe alles verscherbelt und mir eine Panasonic Lumix G81 gekauft, zusammen mit dem 12-60 mm 3,5-5,6 und ein 45-200 mm 4,0 – 5,6 für das lange Ende. Damit bin ich in die USA geflogen. Als backup hatte ich noch eine gebrauchte Panasonic G3 auf ebay ersteigert.

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Ich weiß, es gibt lichtstärkere Objektive. Ich weiß aber auch, das moderne Kameras nicht auf ISO 100 festgetackert sind und man auch brauchbare Fotos mit ISO 1600 oder 3200 hinbekommt. Oder man benutzt ein Stativ. Dieses auf ISO 100 beharren ist sowieso überholt ebenso wie das bornierte Bestehen auf das fotografieren im RAW-Format. Ich weiß noch aus meinen Olympus-Tagen, das es trotz stundenlangem Hin- und Herprobieren kaum möglich war, an die Bildqualität der Out-of-Camera – JPGS heranzukommen. Und wenn die JPGS so schlecht sind, benutzt man vielleicht die falsche Kamera. Ich kann bei meiner Panasonic G81 die Parameter voreinstellen und bestimmen, wie das Ergebnis aussieht. Es ist überhaupt ein verführender Gedanke, nachzudenken, bevor man auf den Auslöser drückt. Das war zu Analogzeiten noch die Regel.

Zugegeben, mittlerweile filme ich mehr und fotografiere deutlich weniger. Wenn ich z.B. Bildmaterial für meine Blogs brauche, extrahiere ich immer öfter einfach ein JPG aus dem Video. Das ist bequemer. Meine Hauptkamera zum filmen ist aber nicht die G81, sondern ein Camcorder von Panasonic mit eingebautem Sucher. Ich finde filmen mit einem Camcorder vom Handling her wesentlich bequemer für die meisten Einsatzzwecke. Aber das nur am Rande.

Mittlerweile reicht eine Fototasche für die Foto- und die Filmausrüstung samt dem ganzen Mikrofon-Gedöns. Ich musste nur einmal für ein bestimmtes Fotoshooting nachlegen: Für die Polarlichtfotografie habe ich mir noch eine feste, lichtstarke 12mm – Brennweite zugelegt und damit ich beim Fotografieren in Bewegung bleibe und nicht nur am Zoomring drehe, ein 25mm Standard-Objektiv. Es ist erlösend, wenn man sich wieder um Motive und Bildgestaltung Gedanken machen kann und nicht um die Fotoausrüstung. Wenn mich die Nachthimmel-Fotografie mehr interessieren würde, würde ich auch eine Vollformat in Erwägung ziehen, aber einfach nur um des Habenwollens kaufe ich nichts mehr in dieser Richtung.

Bleibt festzuhalten, die abgedroschene Phrase, dass die beste Kamera die ist, die man dabei hat, hat sich für mich bewahrheitet. Denn wenn man keinen Bock hat, eine überdimensionierte Fotoausrüstung mit sich herumzuschleppen und deswegen garnicht erst loszieht, dann versaut man sich ein schönes Hobby. Genau so wie es die Pixelpeeper machen. Aber das ist wieder ein anderes Thema 😁

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